19 THOMAS REHBEIN GALERIE

AKTUELL

Ulrich Pester: Karotte, 2020
Acryl und Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm

Anya Janssen: The Visitors 3, 2014
Öl auf Leinen, 100 x 120 cm

Joelle Dubois: Corona Kiss, 2020
Acryl auf Holz,  30 x 25 cm

AKTUELL

Hunger nach Bildern

Joelle Dubois, Julia Jansen, Anya Janssen, Michael Kalmbach, Stephan Melzl, Ulrich Pester,
Leif Trenklers

Ausstellung: 3.7. – 22.8.2020

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

THOMAS REHBEIN GALERIE
Aachener Straße 5
50674 Köln

+49-221-310 10 00
art@rehbein-galerie.de
www.rehbein-galerie.de

 

Hunger nach Bildern

JOELLE DUBOIS (1990, Gent)
ubois' Arbeiten beleuchten mit Ironie und Pragmatik die Kehrseiten digitaler Kultur. Die entblößenden Szenen einer Gesellschaft, die sich selber in den latent narzisstischen Selbstdarstellungen anderer reflektiert, kreisen um Sexualität, Einsamkeit und Selbstreflexion. Diesem Themenkomplex widmet sich Dubois auf eine ironische und auch komische Weise mit Leidenschaft in ihren Werken. Sie zeigt ihre Protagonisten exponiert und ungeschönt mit einem drastischen Realismus, der in der digitalen Welt oft sehr verzerrt und geschönt wird. Bei all dem ist sie selbst eine stille Beobachterin und schaut der Welt in ihrer eigenen Zurschaustellung eines eigenwilligen Perfektionismus zu. In den Bildnarrativen spielt der voyeuristische Blick auf intime Momente Wahrhaftigkeit vor, die Nacktheit der Figuren macht diese zutiefst verletzlich. Doch die allgegenwärtige Beschäftigung der gezeigten Personen mit dem Smartphone oder ähnlichen Tools lässt ihre Aura zwischen ignoranter Besessenheit und traurigster Apathie pulsieren.


JULIA JANSEN (1972, Bonn)
Julia Jansens Gemälde sind Bilder von Bildern. Durch bewusst gesetzte, sichtbare und eindeutig das malerische Medium entlarvende Pinselstriche lenkt Jansen die Aufmerksamkeit weniger auf den dargestellten Gegenstand, sondern verweist vielmehr auf die mediale Darstellungsform. Die gezeigten Motive sind schnell genannt und ohne ikonografischen Mehrwert. Stattdessen wird durch zahlreiche Variationen eines Sujets Jansens Interesse für formale Fragen spürbar. Verschwommen, wie durch ein milchiges Fenster oder einen beschlagenen Spiegel betrachtet, sind die Gegenstände, deren weiche Kontur auch an die ungenaue Fokussierung bei der Fotografie denken lässt, durch verschiedene, sich überlagernde Malweisen verfremdet. Jansens souveräne Technik lotet den schmalen Grat zwischen Sein und Schein aus. Statt den Fokus auf die sichtbare Realität und deren konkrete Erscheinungsformen zu legen, betont Jansen die Einwirkungen auf den Sehsinn und damit die mit der Vermittlung des Bildes einhergehenden Einflüsse auf die Wahrnehmung.


ANYA JANSSEN (1962, NL)
Die Frage, wie Menschen mit sich selbst und ihrer Umwelt umgehen und was ihre Entwicklung bestimmt, ist ein wiederkehrendes Thema in der Arbeit von Anya Janssen. In der Serie „Das Haus“ verzerrt Janssen eine lineare Zeiterfahrung. Sie lässt die Vergangenheit mit der Gegenwart zusammenfallen und erzählt so die Geschichte eines Hauses. Der Ort selbst ist von einer turbulenten und langen Geschichte geprägt. Janssen nahm den Gedanken an, dass Erinnerungen und Ereignisse sich an physische Orte binden, und aus dieser Perspektive hat sie die Geschichte dieses Ortes studiert. Sie möchte aufeinanderfolgende Ereignisse nicht chronologisch beschreiben, sondern sieht sie gleichzeitig vor Ort. Janssens Arbeit erzählt Geschichten durch Eindrücke. In einer Reihe von narrativen Gemälden und Zeichnungen erreicht sie eine sehr enge, direkte Beziehung zu ihrem Thema. Die gemalten Objekte, Körper und Orte erhalten eine schwelende Spannung unter der malerischen Oberfläche. Ihr akribischer Stil lässt sie leblose Objekte mit einem ausgewogenen Gefühl von Lust und Resignation erfüllen. Die gewählten Objekte haben eine Vielzahl von Bedeutungen in sich und die bloße Tatsache ihrer Existenz macht sie zu Trägern der Vergangenheit und der Zukunft. Durch die Verwendung von Verzerrung, Transparenz und einem entfremdenden Licht übersetzt Janssen die Realität und all ihre Facetten auf die Leinwand.


MICHAEL KALMBACH (1962, Landau)
Der Ausgangspunkt der aquarellierten Bildwelten Michael Kalmbachs ist eine Ansammlung unbestimmter, großflächig angelegter Kleckse. Auf feuchte Papierbögen tropft und spritzt Kalmbach in willkürlicher Manier koloriertes Wasser, wobei sich die überschüssige Flüssigkeit in Pfützen ansammelt, so dass während der Trocknung Ablagerungen von Pigmenten zu Farbinseln unterschiedlicher Intensität gerinnen. Dieser unregelmäßige, fleischfarbene Fleckenteppich ist der amorphe Nährboden, dem die Bildwelten Michael Kalmbachs entspringen. Das ungebändigte All-Over wird strukturiert, Anordnungen von physiognomischen Merkmalen und Körperteilen lassen Gesichter und Gestalten erkennbar werden. Es entstehen märchenhaft anmutende Szenarien, von traumwandlerischen, entrückten Knabengestalten bevölkert. Ihre Figur ist oft nur angedeutet, erscheint sich durch die flüssige Kontur schemenhaft an der Oberfläche abzuzeichnen, um sogleich wieder zu verschwimmen, sich mit einer anderen Kurve zu vereinigen.


STEPHAN MELZ (1959, Basel)
Die kleinformatigen Gemälde von Stephan Melzl weisen eine exquisite Farbgebung auf, deren intensive Leuchtkraft aus einem langsamen, lasierenden Farbauftrag hervorgeht. Nach einer Entwurfszeichnung, die wie ein erstes Gerüst die Bildfläche gliedert bzw. strukturiert, gibt sich Melzl der Malerei hin, aus seiner konzentrierten Beobachtung der Schichten lichter, transparenter Farbklänge ergibt sich die Bildfindung. Melzls meisterhafte Technik macht alles möglich, sie veranlasst die einträchtige Koexistenz disparater Elemente im Bild und lässt eine Bildrealität entstehen, in der Widersprüche harmonisch erscheinen und die Logik des Traums die Handlungsebenen verdichtet. Hinter diesem schönen Schein, der alles vereinheitlicht, geht es mitunter anarchisch zu. Melzl übernimmt oft bedeutende Einzelwerke oder traditionelle Bildformeln der Kunstgeschichte und ergänzt das Zitat durch Bildmotive aus einem völlig anderen Kontext. Die Diskrepanz zwischen einer eleganten Malerei und den dargebotenen, oft skurrilen Sujets, zwischen perfekter Form und rätselhaftem Inhalt erzeugt die eigentümliche Spannung, die den Gemälden von Stephan Melzl innewohnt.


ULRICH PESTER (1980, Hannover)
Im Zentrum seines künstlerischen Handels steht die Suche. Ulrich Pester geht es um den andauernden Prozess, aus dem sich eigenständige bildhafte Formen herausbilden. Ideen für seine Sujets finden sich überall: in der alltäglichen Auseinandersetzung mit Film und Internet, aber auch eigene Zeichnungen oder Beobachtungen im Alltag können zum Ausgangspunkt für seine Arbeiten werden. In banalen Dingen verborgenes Bildpotential entwickelt über subtile Wendungen während des Malprozesses eine Eigendynamik und Autonomie. Handwerklich überzeugen seine Arbeiten durch eine formale Klarheit. Weit davon entfernt, sich auf einen Stil oder eine Methode festzulegen, findet Pester auf seinen malerischen Erkundungen immer wieder zu neuen Ansätzen. Entsprechend abwechslungsreich und überraschend sind seine Bildfindungen auch wieder in seinen neuen Arbeiten. Neben abstrakten, figurativen und zeichnerischen Sujets sind seine Motive Tromp-l’œil-Effekte, kunsthistorische Referenzen, ironische Wortspiele oder feinsinnige Bildwitze.


LEIF TRENKLER (1960, Wiesbaden)
Leif Trenkler zählt zu den ersten Vertretern der Neuen Figuration in Deutschland und prägte diese Strömung zeitgenössischer Kunst durch seinen charakteristischen Stil mit. Seine realistische Malerei hält Momentaufnahmen fest. Die oft knallige Atmosphäre seiner Arbeiten entwickelt dabei ganz eigene Anregungen fu?r die Sinne, ganz so wie man Pflanzen am Abend oder das frisch geschorene Gras am fru?hen Nachmittag geradezu riechen kann. Auch wenn sich die Malerei des 1960 in Wiesbaden geborenen Ku?nstlers motivisch im Hier und Jetzt verorten lässt, bilden seine Gemälde deutliche Referenzen an vergangene Epochen der Malerei. Es ist insbesondere die Konfiguration aus Farbe, Bildträger und stilistisch signifikanter figu?rlicher Malerei, die sein Interesse fu?r weitaus ältere Vorbilder erkennen lässt. Ein feines Gespu?r fu?r die Atmosphäre vor Ort ist in seiner Malerei ebenso evident. Trenkler stellt seine Staffelei jedoch nie im Freien auf. Er sammelt die Eindru?cke, die er auf seinen Reisen macht, in seinem Gedächtnis. Der Fotoapparat assistiert ihm dabei. „Malerei folgt ganz eigenen Gesetzen. Da geht es um Farbigkeit, um Farbverläufe, um Dramaturgie und Komposition. Wie passt ein Rosa zu Orange, welches Gewicht hat ein Tropfen Gelb gegenu?ber einer 30 Zentimeter großen Fläche in Dunkelgru?n, und wie steht das alles im Verhältnis zum Menschen oder zur Architektur oder zur Landschaft?“.

Ausstellung: 3.7. – 22.8.2020

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h 

ARCHIV

Ausstellungsansicht

Ausstellungsansicht

Ausstellungsansicht

ARCHIV

Remember Art Cologne / AC D-020

William Anastasi, Dove Bradshaw, Heinz Breloh, Andreas Gefeller, Benjamin Houlihan, François Jacob, Pauline M’barek, Peter Tollens

Aufgrund der Verschiebung der ART COLOGNE auf den Herbst 2020, präsentiert die Thomas Rehbein Galerie die für die Messe vorgesehenen Arbeiten in den Galerieräumen. Gezeigt werden neben Malerei von William Anastasi, Dove Bradshaw, François Jacob und Peter Tollens auch Skulpturen des 2011 verstorbenen Heinz Breloh und von Pauline M‘barek, sowie Fotografien von Andreas Gefeller und Zeichnungen von Benjamin Houlihan.

Ausstellung: 8.5. – 27.6.2020

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

THOMAS REHBEIN GALERIE
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Bénédicte Peyrat: Tapferes Mädchen, 2017, Aquarell auf Leinen, 140 x 110 cm Courtesy: Thomas Rehbein Galerie

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Où en est l’herbe?

Bénédicte Peyrat

Ausstellung: 7.3. – 11.4.2020

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h u.n.V.

 

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Bénédicte Peyrat

Vor den Gemälden von Bénédicte Peyrat wird schnell klar, diese Künstlerin liebt nicht nur die Farben, sondern auch die Fülle. In barocker Sinnlichkeit begegnen uns merkwürdige, meist rundliche und fleischige Figuren, die so eigenwillig handeln wie sie aussehen. (…) Menschen und Dinge führen ein Leben, das nicht nach modischem Wohlstand giert, sondern in autarker Ursprünglichkeit daherkommt. Hier ist kein Mangel an nichts und die Nacktheit der Figuren steigert deren Eindringlichkeit, die bisweilen naiv wirkt, wenn da nicht jener Hauch über den Szenen liegen würde, der von Hoffnungen kündet, die wohl kaum jemals Wirklichkeit werden. Vision und Realität überlappen sich und der Frohsinn der Protagonisten kaschiert kaum jenen Abgrund, der viele von Peyrats Figuren umgibt – das Bewusstsein einer Einsamkeit hinter der Heiterkeit. Bénédicte Peyrat ist eine Porträtistin und sie liebt die, die sie malt und mit bewegtem Strich zwischen Licht und Schatten bildet. Die Abgründe unserer Existenz münden auf diesen Bildern, möglicherweise genau deshalb, weder in methodischer Verengung noch werden sie zum Vorwand ergrübelter Bildnerei. Das Personal ist authentisch, weil es jenseits von Erinnerung, Wahrnehmung und Dichtung ein Miterleben gibt, eine Form der Identifikation, die sich ohne Distanz und Schminke auf die Personen einlässt, die die Bilder bevölkern.  (aus einem Text von Erik Stephan, 2016)

Ausstellung: 7.3. – 11.4.2020

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h u.n.V.

 

ARCHIV

Joëlle Dubois: Lady at bath, 2019, Acryl auf Holz, 30 x 23 cm

Joëlle Dubois: Craving that Vitamin D, 2019, Acryl auf Holz,
23 x 17 cm

Portrait Joëlle Dubois, November 2019

ARCHIV

Joëlle Dubois

Eröffnung: Freitag, 17. Januar, 18–21h

Ausstellung: 18.1. – 29.2.2020

Di–Fr von 11–13h und 14–18h / Sa von 11–16h

 

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Joëlle Dubois

Nach ihrer Teilnahme an den New Positions der Art Cologne 2019, zeigt Joëlle Dubois in ihrer ersten Einzelausstellung in der Thomas Rehbein Galerie neue Arbeiten, die mit Ironie und Pragmatik die Kehrseiten digitaler Kultur beleuchten. Die entblößenden Szenen einer Gesellschaft, die sich selber in den latent narzisstischen Selbstdarstellungen anderer reflektiert, kreisen um Sexualität, Einsamkeit und Selbstreflexion. Dubois' Malerei bezieht sich stilistisch sowohl auf Pop- und Medienkultur als auch auf japanische Shunga – erotische Holzschnitte, die zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert entstanden. Neben den bekannten kleinformatigen Acrylmalereien auf Holz werden in der Ausstellung auch neue Tusche Zeichnungen zu sehen sein.