06 GALERIE VAN DER GRINTEN

AKTUELL

Lorenzo Pompa: Propitiatory Dance, 2021, 210 x 190 cm, Acryl Öl auf Leinwand.high Kopie

Ausstellungsansicht

Roy Mordechay: The streaming duck, 2020, watercolor, coffee, acrylic and oil on canvas, 141x191 cm

Ausstellungsansicht

AKTUELL 

VOR UND HINTER DEN FIGUREN

LORENZO POMPA, ROY MORDECHAY, FRANS ROERMOND, MATTHIAS RÖHRBORN

Ausstellung: 30.4.2022 – 25.6.2022

Eröffnung: 30.4.2022

Mi–Fr von 11–18h / Sa von 12–18h u.n.V.

 

VAN DER GRINTEN GALERIE
Gertrudenstr. 29, 1. Stock
50667 Köln

+49-221-29 85 91 75
art@vandergrintengalerie.com
www.vandergrintengalerie.com

VOR UND HINTER DEN FIGUREN

Group show with a selection of figurative paintings by 4 artists
Malerei von Roy Mordechay, Lorenzo Pompa, Frans Roermond, Matthias Röhrborn
Inmitten der zahllosen Fragestellungen, die die Tradition der Moderne permanent aufwirft, bleibt eine grundlegende Frage: Was ist im Grunde ein Bild und was sind Künstlerin und Künstler? In einer frühen Phase der Modernen Kunst, als der Symbolismus sich durchsetzte, herrschte die Idee vor, dass der Gegenstand eines Gemäldes, ähnlich dem Gedicht, das Wesen der Dinge, der Welt sein müsse. Ihr Abbild. Etwas, dessen Wert und Bedeutung in seiner Unvergesslichkeit liegt, in seiner Ausstrahlung, seiner Sichtbarmachung von Empfindungen, die in der Vorstellung des Betrachters zusammenkommen und etwas Denkbares erzeugen, das jenseits seiner eigenen physischen Natur sein kann. Nicht nur ein Objekt, nein: ein Ebenbild.

Diese Art Idealismus provozierte ihre dialektische Erwiderung bei den Realisten, die es gerade als positiv ansahen, dass ein Gemälde viel weniger Ebenbild oder Idee sei als vielmehr ein Objekt. Realisten interessierten sich für den Gegenstand, nicht für seine Wesenhaftigkeit.

Selbst wenn es sich um kubistische oder sogar abstrakte Malereien handelte, wurden sie als konkrete Entitäten in einer Welt von und aus Dingen angesehen. Ein Problem für die Kunst des 20. Jahrhunderts wurde offensichtlich. In der Vergangenheit hatte man es als gegeben angesehen, dass Vergleichbarkeit die grundlegende Art der Wahrnehmung von Kunst sei. Aber in dem Maße, wie die Erkennbarkeit sich von der reinen Vergleichbarkeit löste, geriet die Malerei in die Situation, sich genötigt zu sehen, stattdessen Erinnerung und Empfindsamkeit zu bemühen. Ein paar Pinselstriche und voilà: Ein Bündel Spargel. Nicht realer Spargel, sondern eine Analogie dafür. Mit zunehmender Freiheit, aber auch, wenn Malerei irgendwie eins unter vielen Dingen wird, wird als direkte Folge daraus das zu Grunde liegende System der Analogien zunehmend hinterfragt. Und das wiederum provoziert beim Betrachter schließlich den Wunsch nach Rückführung, Reinigung oder Berichtigung. Wie ein gegenläufiger Pendelschlag. Alle bleiben gefangen in diesem Paradoxon. 

Die vier aktuell in "Vor und hinter den Figuren" vorgestellten Maler sind sehr bewusst für eine dialogische Ausstellung im Spannungsfeld genuiner Malerei ausgewählt worden. Sie scheinen sich deutlich innerhalb der hier beschriebenen Entwicklungsgeschichte zu positionieren, und sie haben eine jeweils ganz eigene Sprache hierfür entwickelt. Es sind also Positionen, die die gegenständliche Malerei in erster Linie als Malerei ernst nehmen. Nicht nur in ihren gestalterischen Möglichkeiten, sondern auch in ihren herausfordernden Bedingungen, die ja ständig neu befragt werden. 

In Lorenzo Pompas Malerei ist die vielleicht stärkste Verwandtschaft zu Philip Guston zu spüren, der so etwas wie ein Ahnherr für diese genuine Malerei ist. Pompas Figuren sind auf wesentliche, aber komplexe Elemente körperlicher Erscheinung reduziert und gleichzeitig voller Ausdruck menschlicher Gefühle.

Auch in der Malerei von Roy Mordechay leuchten Elemente auf, die man bei Guston als so typisch empfindet: Segmentieren und Fragmentieren von Körperteilen und Rückbesinnung auf malerische Entdeckungen vergangener Epochen: bei Mordechay u.a. die Antike in Judäa. Frans Roermonds Malerei ist vielleicht am stärksten enigmatisch, merkwürdig zeitlos in ihrer ständigen Verschränkung von gegenständlich und abstrakt. Bei Matthias Röhrborn schließlich ist der Knall zwischen meisterhafter Beherrschung der Mittel und subversiver Aufbrechung am stärksten.

Es geht, bei aller individuellen Unterschiedlichkeit, bei jedem von ihnen um die Darstellung des Menschen, ob als Figur oder hinter ihr, mit uns im Vordergrund oder abwesend.

Malerei kann eben einfach nicht aufhören und auch nicht einfach aufhören.

Lorenzo Pompa (*1962) wuchs in Rom auf und studierte dort zunächst Innenraumgestaltung und Architektur und mit dem Umzug nach Deutschland anschließend von 1996 bis 2003 Malerei an der Düsseldorfer Akademie bei Georg Herold. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf. Frans Roermond (*1967) studierte Malerei in London, Berlin und New York, wo er seit 2017 nach langen Auslandsaufenthalten wieder lebt und arbeitet. Matthias Röhrborn (*1968) studierte von 1989 bis 1996 an der UdK Berlin. Er lebt dort und in Brandenburg. Roy Mordechay (*1976) ist in Haifa geboren und studierte von 1999 bis 2002 am Avni Institut of Art and Design in Tel Aviv. Er lebt und arbeitet zur Zeit in Düsseldorf.

Ausstellung: 30.4.2022 – 25.6.2022

Eröffnung: 30.4.2022

Mi–Fr von 11–18h / Sa von 12–18h u.n.V.

ARCHIV

Rikako Kawauchi: All same brain, 2018
watercolor and pencil on paper, 36,4 x 28,7 cm

ARCHIV

LINES

RIKAKO KAWAUCHI

Ausstellung: 12.2.2022 – 30.4.2022

Eröffnung: 12.2.2022

Mi–Fr von 11–18h / Sa von 12–18h u.n.V.

 

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LINES

Rikako Kawauchi, "Lines", Solo Show, Feb - April 2022

Lines‘ ist die erste Einzelausstellung mit Zeichnungen und plastischen Arbeiten der 1990 in Tokyo geborenen Künstlerin Rikako Kawauchi außerhalb Japans.

Rikako Kawauchis Arbeit ist von drastischer, häufig verstörender Intensität, und sie ist von einer Unmittelbarkeit, wie wenn die Künstlerin mit dem Bleistiftstrich ihren Puls weitergeben würde. Das Zeichnen, das schreibt sie selbst über ihre Arbeitsweise, ist wie der Resonanzkörper ihres eigenen Körpers, der die Impulse aus der Reaktion auf andere Körper und deren Körperlichkeit verarbeitet. Und in der Wahrnehmung von Körperlichkeit stehen vor allen Dingen Speisen, das Essen, die Aufnahme von Lebensmitteln aber deren Verarbeitung und ebenso die sexuelle Interaktion, auch die gewaltsame und phantasierend-obsessive, im Zentrum ihrer künstlerischen Arbeit.
Es geht um Dasein, das vom Ausgesetztsein nicht zu unterscheiden ist.

Vor allem bei den Aquarellen fällt auf, das sie viel weniger seismographische Abbilder von Introspektionen sind, als vielmehr sich das Interesse der Künstlerin auf den Akt konzentriert, ein Gegenüberliegendes oder -stehendes in seiner vollen Körperlichkeit auf dem Blatt Papier entstehen zu lassen. So nutzt Kawauchi den fast intuitiven Strich als Linie, die sich in der Vielzahl zu Umrissen verdichten kann. Dieser Strich kann modulationslos sein wie ein gebogenes Stück Draht oder durch den unterschiedlichen Druck der Hand fast dreidimensional lebendig. In früheren Zeichnungen kontrastiert das eine zum anderen, in den jüngeren kontrastiert beides zu den aquarellierten Partien, die dadurch eine ungeheure Realität bekommen und wie aufgebrochene oder noch nicht verheilte Wunden zu fast schmerzhafter Aufmerksamkeit zwingen.

Wir zeigen in der Ausstellung, die die Künstlerin als Gesamtinstallation konzipiert hat, 50 Aquarell-Zeichnungen, unter ihnen zwei raumhohe, die zwischen 2018 und 2020 entstanden sind und 4 plastische Arbeiten aus dem Jahr 2021. Diese plastischen Arbeiten lassen in ihrer Materialität und Verletzlichkeit vielleicht spontan an die Skulpturen der belgischen Künstlerin Berlinde de Bruyckere denken. Sie sind aber selbst „nur“ Linie, in Lebendigkeit und Puls wie etwas, das durch eine Ader fließt, und optisch tatsächlich wie ein frisch seziertes Blutgefäß aussehen könnte, wenn ihre Abmessungen dem nicht widersprechen würden.

Kawauchi studierte an der Tama Art University und schloss ihr Studium 2017 mit dem Master ab. Bereits 2014 erhielt sie den 1st CAF Award und ein Jahr darauf den begehrten Shiseido Art Egg Award. Denen folgten 2021 der TERRADA art award und 2022 der VOCA Award. 

Rikako Kawauchi wird von der Tokioter Galerie Waitingroom in Japan vertreten.

Ausstellung: 12.2.2022 – 30.4.2022

Mi–Fr von 11–18h / Sa von 12–18h u.n.V.

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ARCHIV

ARICHIV

The Moon's Mirror

Ruth Marten

Ausstellung: 20.11.2021 – 30.1.2022

Finissage: 30.1.2022 zum K1 Rundgang der Innenstadtgalerien, 11-16h

Mi–Fr von 11–18h / Sa von 12–18h u.n.V.

 

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The Moon's Mirror

The Moon’s Mirror ist Ruth Martens bereits vierte Einzelausstellung, die die Van der Grinten Galerie der New Yorker Künstlerin widmet, und wir freuen uns sehr, dass Ruth Marten auch persönlich zur Eröffnung nach Köln kommen wird.

Das Frühjahr des Jahres 2020 und die sich anschließende Zeit bis in den diesjährigen Sommer - einer beunruhigenden und äußerst herausfordernden Zeit - war sicherlich für alle von uns ein massiver Einschnitt. In New York City, Ruth Martens Lebensmittelpunkt, war die Situation von Anfang an dramatisch und schien für lange Zeit nahezu ausweglos. Was blieb, war neben dem Funken und Telefonieren in alle Himmelsrichtungen vor allem das Durchforschen des eigenen Raums: das Öffnen von Schachteln, Büchern, Ordnern und Mappen und das Durchspülen selbst der kleinsten Schnipsel Papier mit Leben.

Ruth Marten schreibt über diese Zeit:„Während ich in erzwungener Einsamkeit lebte, fühlte ich mich nichtsdestoweniger sehr verbunden mit meiner Community und all den Leben, die wir zusammen erfunden haben. Das Phänomen der Verbundenheit kam in den Zeichnungen zum Tragen, und überrascht sah ich, wie sehr die »Apparate« mich an Perpetuum-Mobile-Maschinen erinnerten. Auch sind manche Bilder mit Informationen vollgestopft, andere dagegen recht karg. Ich liebe diese Kinder gleichermaßen und versuche für ihr Ausschlüpfen empfänglich zu sein.“

Wohl im permanenten Wechsel entstanden die unter sich sehr unterschiedlichen Papierarbeiten, explosionshaft und mikrokosmisch, verrätselt und offensiv, verletzlich und rabiat, zuweilen düster, und doch voller pulsierendem, unverwüstlichem Humor.

Wenn wir Ihre Retrospektive im Brühler Max Ernst Museum 2018-2019 vor Augen haben, die bereits einen überwältigenden Einblick in Ruth Martens facettenreiches Schaffen der letzten 40 Jahre ermöglichte, erleben wir nun inmitten dieser jüngsten Werken, dass sich die Dynamik in ihrer künstlerischen Suche weiter fortsetzt.

In der Ausstellung ‚The Moon’s Mirror’ finden sich zwar alle technischen Mittel von Ruth Marten wieder - Tusche, Aquarell, Gouache, Collage, Verwendung von druckgrafischen Bildvorlagen aus dem 18. und Fotografien aus dem später 19. und frühen 20. Jahrhundert. Um so spannender ist es aber zu sehen, welche Spannbreite diese Arbeiten bespielen: Ein Teil der Bilder stellt rätselhaft-poetische, surreale Szenerien dar, in denen das Imaginäre leicht hinein taucht und beflügelt wird, wie zum Beispiel die punktuellen Eingriffe auf den alten kleinformatigen Fotoportraits - eine nach Martenschen Stil surrealistische Portraitgalerie. Ein anderer Teil der Werke greift nach etwas anderem, einer Freiheit, die mit Sprengung und Zerstörung der üblichen kompositorischen Gewohnheiten einhergeht. Es sind extrem reduzierte Kompositionen aus wenigen, mit Tusche gezeichneten und collagierten Elementen, die fast wie Fremdkörper durch das leere Blatt Papier schweben. Die Balance wird mit künstlerischem Instinkt austariert. Ganz überladen mit Farbflächen und Elementen sind hingegen andere Werke, die eine kühne, mosaikartige Mischung aus Abstraktem und Figürlichem wagen und nach akribischer Betrachtung verlangen.

Ruth Martens Arbeiten sind in zahlreichen privaten und institutionellen europäischen und nordamerikanischen Sammlungen vertreten.

Ausstellung: 20.11.2021 – 29.1.2022

Finissage: 30.1.2022 zum K1 Rundgang der Innenstadtgalerien, 11-16h

Mi–Fr von 11–18h / Sa von 12–18h u.n.V.

VAN DER GRINTEN GALERIE
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