16 PRISKA PASQUER

AKTUELL 1

AKTUELL 1

Portrait of a Future
curated by Peggy Schoenegge

Charlie Stein

Soft Opening:  Samstag 24.4.2021 11.00 – 18.00 Uhr
                         Sonntag 25.4.2021 11.00 – 16.00 Uhr
Ausstellung: 24.4. – 20.5.2021

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h u.n.V.

CORONABEDINGT BITTEN WIR UM PERSÖNLICHE ANMELDUNG PER TELEFON, EMAIL, WHATSAPP ODER DURCH SOCIAL MEDIA (AUCH SEHR KURZFRISTIG). priska@priskapasquer.de, +49 170 4230636

neue Adresse PRISKA PASQUER ab September 2020:
PRISKA PASQUER
c/o Neuland
Konrad-Adenauer-Ufer 83
50668 Köln

+49-221-952 63 13
info@priskapasquer.de
www.priskapasquer.art

PORTRAIT OF A FUTURE

Die Künstlerin Charlie Stein präsentiert von der Kuratorin Peggy Schoenegge

In der neuen virtuellen Galerie PRISKA PASQUER haben Besucher*innen die Möglichkeit, Ausstellungen zu besichtigen und an Veranstaltungen wie Artist Talks teilzunehmen. Der virtuelle Raum ist nicht nur Ort des Austauschs, sondern auch für neue kuratorische Formate. Den Auftakt bildet die Ausstellungsreihe ONE TO ONE in Zusammenarbeit mit der kuratorischen Plattform peer to space. Jeweils eine Kuatorin des Labels arbeitet zusammen mit einer Künstlerin an einer Einzelausstellung, die sich mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Lebenswelt beschäftigt. Nach Light Shines Through The Curtains Of Time von Kuratorin Tina Sauerländer und Künstlerin Ornella Fieres präsentiert nun Peggy Schoenegge die Arbeiten der Künstlerin Charlie Stein in der zweiten Ausstellung PORTRAIT OF A FUTURE.

Die Malereien und Zeichnungen von Charlie Stein zeigen weibliche Roboter, die den Menschen auf den ersten Blick sehr ähnlichsehen und doch unnatürlich wirken. Die Künstlerin vermenschlicht die ursprünglich maschinelle Gestalt, indem sie einzelne Teile aus verschiedenen Selfies ihres Instagram-Feeds zu einem neuen Bild zusammensetzt.Die Porträts folgen der typischen Darstellung inszenierter Selbstbilder im Internet. Stein zeigt die Figuren meist leicht nach oben schauend. Ihre unnatürlich großen Augen entsprechen der Veränderung, die Gesichtsfilter auf sozialen Medien propagieren.

Die Künstlerin befasst sich mit der Bedeutung von Robotern und der Darstellung von Weiblichkeit im digitalen Zeitalter. Die Roboter, die der Künstlerin als Vorlage dienen, sind teils realen, teils imaginären Ursprungs. Die Arbeit Unimate in Paris (2020) bezieht sich auf einen Industrieroboter, der 1961 von der Firma Ford in Betrieb genommen wurde. In Form eines einzelnen Arms bearbeitete und schweißte er Bauteile für Karosserien. Stein fügt dem Arm einen weiblichen Körper hinzu. Die junge Frau im braunen Mantel hält eine Zigarette und schaut teilnahmslos an den Betrachter*innen vorbei. Die Künstlerin konterkariert mit dieser nun femininen Identität die ursprünglich männlich konnotierte Funktion der Maschine. Für die Arbeit Awakening Health (Grace & Grace) (2020) betrachtet Stein den Pflegeroboter Grace, der zur Betreuung älterer Menschen eingesetzt wird. In der Arbeit als junge, blonde und zierliche Frauen dargestellt, umarmen sich Grace und Grace und geben sich Halt. Die zutiefst menschliche Geste wirft die Frage auf, inwieweit das Konzept der fürsorglichen Pflege – ebenfalls ein Stereotyp, der mit Weiblichkeit verbunden wird – überhaupt für Roboter relevant ist. In der Annahme, dass Frauen vertrauenswürdiger und untergebener erscheinen, sind sie eine bevorzugte Form für Maschinen, die dem Menschen dienen sollen. Sie spiegeln dabei den geschlechtsspezifischen Stereotyp der jungen, attraktiven und gehorsamen Frau wider. In ihren Arbeiten reflektiert Charlie Stein diesen Typus und reißt ihn aus seiner Leibeigenschaft heraus. Sie rückt sie in den Fokus ihrer Portraits und gibt ihnen Autonomie.

Der Ausstellungstitel PORTRAIT OF A FUTURE ist der Werkserie Portrait Of A Future Self (2019-2021) entlehnt. Die Frauenroboter befreien sich aus dem Zwang ihres Zwecks und stellen sowohl die Geschlechterklischees als auch die Mensch-Maschine-Beziehung auf den Kopf. In Hinblick auf die zunehmende Bedeutung von Robotertechnologien in unserem Alltag stellen sich Fragen zu ihrer gesellschaftlichen Funktion. Roboter sind menschliche Produkte und deshalb auch von unseren Normen und Werten geprägt. Charlie Steins Arbeiten eröffnen die Möglichkeit zur Reflektion. Wollen wir in Zukunft stereotype Rollenbilder in den Maschinen, die wir erschaffen, wiederholen? Oder wollen wir Veränderungen für ein offeneres, diverseres und faireres Dasein entwickeln, um unsere Zukunft zu prägen.

(Peggy Schoenegge)

Ausstellung: 24.4. – 20.5.2021

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h u.n.V.

neue Adresse PRISKA PASQUER ab September 2020:

PRISKA PASQUER
c/o Neuland
Konrad-Adenauer-Ufer 83
50668 Köln

 

AKTUELL 2

AKTUELL 2

Light Shines trough the Curtains of Time
curated by Tina Sauerlaender

Ornella Fieres

Ausstellung: 27.3. – 22.4.2021

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h u.n.V.

CORONABEDINGT BITTEN WIR UM PERSÖNLICHE ANMELDUNG PER TELEFON, EMAIL, WHATSAPP ODER DURCH SOCIAL MEDIA (AUCH SEHR KURZFRISTIG). priska@priskapasquer.de, +49 170 4230636

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ONE TO ONE  – one Curator meets one Artist  

Während der Pandemie verlagert die Galerie PRISKA PASQUER einen Teil ihrer Ausstellungstätigkeit vom analogen in den digitalen Raum. Das Herzstück bildet ein eigener virtueller Galerieraum mit einer unverwechselbaren Architektur und Atmosphäre. Der Raum ist für einzelne Besucher und für Gruppen zugänglich und funktioniert bei Veranstaltungen als kommunikativer Treffpunkt wie ein physischer Galerieraum. Er wird mit einer neuen Ausstellungsreihe unter dem Titel ONE TO ONE eingeweiht. Die Ausstellungen beginnen als reine Online-Projekte und sollen sich später analog materialisieren. ONE TO ONE bedeutet, dass ein*e Künstler*in und ein*e Kurator*in sich auf Augenhöhe begegnen und im gemeinsamen Austausch eine Ausstellung erarbeiten. 

Bisherige Ausstellungen bei PRISKA PASQUER hatten einen anderen zeitlichen Ablauf. Die physische Präsentation der Kunstwerke bildete den Kern und den Ausgangspunkt für ergänzende digitale Visualisierungen. Nun werden die ONE TO ONE-Ausstellungen und ihre begleitenden Veranstaltungen von vornherein im Hinblick auf die ganze Vielfalt der Online-Ebenen konzipiert. Analoge Installationen in physischen Räumen werden erst in einer anschließenden Phase realisiert. Sie entstehen dann als Erweiterung oder Ergebnis dieser hybriden Ausstellungs-Prozesse der ONE TO ONE-Reihe.

Die pandemiebedingten Einschränkungen der analogen Besuche regen Künstler*innen, Kurator*innen, Galerien und Kunstinteressierte dazu an, die digitalen Möglichkeiten mit großer Neugier auszuloten und aktiv zu nutzen. Dazu bieten sich die vernetzten Ebenen der Galerie PRISKA PASQUER an. Besucher*innen können ihre Eindrücke aus dem neuen digitalen Galerieraum, der Homepage und dem Webshop durch die verlinkten Visualisierungen auf Online-Plattformen wie Artsy, Artnet und Artland ergänzen. Inhaltliche Vertiefung bieten weiterhin die Künstlergespräche und Future Talks auf Zoom, auf Instagram, auf Clubhouse und im YouTube-Kanal der Galerie. Als Live-Formate vermitteln diese Gespräche ein hohes Maß an Unmittelbarkeit.

Die virtuelle Galerie PRISKA PASQUER bietet ein immersives Erlebnis im Webbrowser oder im VR-Headset. Mithilfe der WebVR-Plattform Mozilla Hubs finden sich die Galerieräume von PRISKA PASQUER in einer neuen Umgebung wieder und lassen sich dort völlig unabhängig vom physischen Ort jederzeit besuchen. Als Avatar erlebt man die digitalen Möglichkeiten der Ausstellungskuration und kann gleichzeitig mit anderen Besucher*innen auf Eröffnungen oder Veranstaltungen in Kontakt treten. Die Galerie bietet so auch online ein Resilienz-erzeugendes, persönliches Erleben von Kunst.

Der Launch der virtuellen Galerie PRISKA PASQUER ist zugleich der Beginn der neuen Ausstellungsreihe ONE TO ONE, die Künstler*innen und Kurator*innen auf Augenhöhe zusammenbringt. Der übergreifende Titel ONE TO ONE betont die Bedeutung des Austauschs zwischen jeweils zwei Protagonistinnen. Um den Stellenwert des kuratorischen Beitrags zur Wahrnehmbarkeit von Kunst zu beleuchten, plant PRISKA PASQUER eine längerfristige Fortführung dieses dialogischen Formats.

Für den Auftakt von ONE TO ONE kooperiert PRISKA PASQUER mit der Berliner Ausstellungsplattform peer to space, die für eine zehnjährige Erfahrung im Bereich der Digitalisierung in der Kunst und deren Kuration und Vermittlung bekannt ist. In den kommenden Monaten stellen vier Kuratorinnen des Labels je eine von vier Künstlerinnen vor, die in ihren Arbeiten die Auswirkungen der Digitalisierung auf Individuum und Gesellschaft thematisieren. Den Anfang machen die Kuratorin Tina Sauerländer und die Künstlerin Ornella Fieres mit der Ausstellung Light Shines Through The Curtains Of Time

LIGHT SHINES THROUGH THE CURTAINS OF TIME

Die Künstlerin Ornella Fieres präsentiert von der Kuratorin Tina Sauerländer

Die Galerie PRISKA PASQUER verstärkt ihre digitalen Formate und ruft einen eigenen Online-Galerieraum ins Leben, der für Besucher*innen virtuell begehbar ist und der bei Veranstaltungen zu einem kommunikativen Treffpunkt wird. Durch die Vernetzung mit der Homepage, dem Webshop und weiteren Online-Plattformen können nun Ausstellungen direkt für den digitalen Raum konzipiert werden. Als Premiere wird der virtuelle Raum mit der neuen Ausstellungsreihe ONE TO ONE eingeweiht. Für ONE TO ONE erarbeiten jeweils eine Künstlerin und eine Kuratorin gemeinsam ein Ausstellungsprojekt, das erst rein digital und später analog umgesetzt wird. Die Reihe beginnt mit vier Ausstellungen in Zusammenarbeit mit vier Kuratorinnen des Berliner Labels peer to space, die je eine Künstlerin vorstellen. Den Anfang machen die Kuratorin Tina Sauerländer und die Künstlerin Ornella Fieres mit der Ausstellung Light Shines Through The Curtains Of Time.

Über die Ausstellung

In den Arbeiten der Künstlerin Ornella Fieres treffen analoge Fundstücke aus vergangenen Zeiten auf neue Technologien. Fotografien aus persönlichen Nachlässen oder filmisches Archivmaterial der Wissenschaft instrumentalisiert die Künstlerin für ihre eigenen Zwecke. Ihr geht es darum, „vergangene Momente ins Jetzt zu übertragen und die unsichtbaren Prozesse des Digitalen sichtbar zu machen“. Ihre Arbeiten zeigen die Welt von gestern, gesehen durch die Augen der Algorithmen von heute.

Die Grundlage für Ornella Fieres‘ Serie Postcards to M / GAN (2021) bilden Blumenpostkarten aus den 1960er und 1970er Jahren. Sie stammen aus dem Nachlass einer Ost-Berlinerin, den die Künstlerin auf einem Online-Flohmarkt erworben hat. Eine selbstlernende künstliche Intelligenz, ein sogenanntes GAN (Generative Adversarial Network), hat die Motive studiert und kreiert nun eigene Bilder auf Basis des Gelernten. Die Arbeiten veranschaulichen die Sichtweise der Maschine auf die eingegebenen Daten, so eine nüchterne Beschreibung des poetischen und doch irritierend künstlichen Ergebnisses.

GANs lernen zwar selbst, aber dennoch sind sie ein Produkt der Menschen, die die Erkenntnisse der Wissenschaft und Computertechnologie immer weiter erforschen und vorantreiben. Sie symbolisieren den unermüdlichen Entdeckergeist. Die Video-Arbeit An Algorithm for Snowfall (2019) zeigt eine Algorithmus-basierte Rekonstruktion wissenschaftlicher Filme, die die Künstlerin parallel zueinander einmal vorwärts und einmal rückwärts abspielt. Bruchstücke von Bergbesteigungen, mikroskopischen Betrachtungen oder schmelzenden Gletschern erscheinen in Zeitlupe verzerrt. Die Sequenzen thematisieren das verstrickte Verhältnis zwischen Forschenden und ihrer Umgebung. Oft greift der Mensch in die Natur ein, ohne die Auswirkungen seines Handels vorher zu kennen, häufig mit verheerenden Folgen. In der Mitte des Films treffen die beiden Filmspuren aufeinander, laufen für einen Moment synchron, um sich anschließend wieder in ihrer Spirale aufzulösen. Was Fortschritt und was Rückschritt ist, lässt sich in diesem zeitlichen Zerrbild für die menschliche Wahrnehmung kaum sinnvoll erfassen.

Für Inverse Fourier (2021) eignet sich Ornella Fieres Bildmaterialien verschiedener Nachlässe an. Mithilfe der Fourier-Transformation, einem Algorithmus zur Bildkomprimierung, verändert die Künstlerin ihren visuellen Input. Sie greift in die Berechnung ein, entfernt Teile aus dem System, so dass dieses den gewünschten Output nur noch fehlerhaft wiedergeben kann. Das Ergebnis kennt Fieres im Vorfeld nicht, die Folgen ihres Handelns sind ihr unbekannt. Diese Intervention versinnbildlicht den Eingriff des vom Forschergeist beseelten Menschen, der Berge besteigt oder abträgt, die Welt mit elektrischen Kabeln umspannt oder atomare Reaktionen hervorruft, so wie es die Arbeiten der Serie evozieren. Indem die Künstlerin die Störung im System visualisiert, gewährt sie Einblick in die „Denkweise“ des Algorithmus.

Der Titel der Ausstellung wurde der Videoarbeit I create paths that lead to the clouds in which we go (2020) entlehnt, in der eine künstliche Intelligenz aus allen bishDuration: 27.03.2021 – 22.04.2021
Soft Opening: Samstag 27.03.2021 11.00 – 18.00 Uhr
                         Sonntag 28.03.2021 11.00 – 16.00 Uhrer geschriebenen Texten über Ornella Fieres‘ Arbeiten eine poetisch-dystopische Endzeitvision kreiert, die auch ihre hoffnungsvollen Seiten hat. Und so spiegeln Ornella Fieres‘ Arbeiten stets zwei Seiten gleich mehrerer Medaillen wider. Sie beschreiben sowohl die menschliche als auch die computergenerierte Wahrnehmung. Sie vergleichen die Beziehung zwischen Künstlerin und ihren Hilfsmitteln zum einen mit den unbedarften Eingriffen des Menschen in die Natur, zum anderen symbolisieren sie das schöpferische Potenzial ihrer Gemeinschaftsarbeit. Vor allem aber rufen die Werke ins Gedächtnis, dass künstliche Intelligenzen zwar komplexe, aber dennoch von Menschen fabrizierte Erzeugnisse sind, die deshalb vor allem eines reflektieren, nämlich das Menschliche.

Die Künstlerin Ornella Fieres (*1984 in Frankfurt) lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Macquaire University in Sydney und an der HfG Offenbach, wo sie aktuell an ihrer Promotion im Fach Medienwissenschaften arbeitet. Ihre Vita schließt internationale Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen an der School of the Art Institute of Chicago, im Goethe Institut Toronto, im Literaturhaus Berlin und in Galerien in New York und Berlin ein.

Die Kunsthistorikerin Tina Sauerländer arbeitet international als freie Kuratorin. Sie kuratierte Ausstellungen zum Thema Virtual Reality in New York (Parsons/The New School), Toronto (Goethe-Institut) oder Basel (Haus der elektronischen Künste). Sie ist die künstlerische Leiterin des VR KUNSTPREIS der DKB in Kooperation mit CAA Berlin. Sie ist Mitbegründerin und Direktorin der international tätigen Ausstellungsplattform peer to space. Sie ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin der internationalen Online-Recherchedatenbank für VR-Kunst, Radiance VR. Sie ist Mitbegründerin von Kara Agora, dem Kunst- und Recherchezentrum in Mozilla Hubs. Sie ist die Gründerin des internationalen Frauennetzwerks SALOON, deren Berliner Dependance sie zusammen mit Ornella Fieres leitet. Sie ist PhD-Kandidatin an der Kunstuniversität Linz (Interface Cultures bei Prof. Christa Sommerer) und forscht zum Thema künstlerische Selbstdarstellung im digitalen Zeitalter. Zu ihren inhaltlichen Schwerpunkten gehört zudem der Einfluss des Internet und des Digitalen auf unsere persönliche Lebenswelt und Gesellschaft.

Ausstellung: 27.3. – 22.4.2021

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h u.n.V.

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PRISKA PASQUER
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50668 Köln

 

 

 

 

ARCHIV

Haschen nach Wind

Christian D. Stefanovici

Ausstellung: 12.12.2020 – 23.1.2021

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Haschen nach Wind

Die Malerei von Christian Stefanovici (* 1982 in Timișoara/Rumänien, lebt und arbeitet in Köln) verweist in vielfältiger Manier auf Themen und Praktiken der Kunstgeschichte und ist doch eine Kunst ganz aus dem Hier und Jetzt unserer Lebenswirklichkeit.
In traditioneller Manier bereitet Stefanovici seine Malutensilien vor: er rührt reine Pigmente in Knochenleim an, spannt Leinwand auf einen Keilrahmen und trägt oftmals eine weiße Gesso-Grundierung auf. Diese Grundierung begünstigt einen opaken Farbauftrag, den einige der ausgestellten Gemälde aufweisen – die Farbe bekommt einen anderen „Klang“ auf dem Trägermaterial.
Stefanovici bewegt sich sehr bewusst in malerischen Überlieferungen, und doch (oder gerade deswegen) bricht er gerne mit tradierten Dogmen. Durch den Einsatz von Lineaturen aus Pastellkreide auf Kompositionen aus Farbflächen verbindet er zwei wegweisende künstlerische Haltungen der Renaissance: das Florentiner „disegno“ mit dem Primat der linearen Zeichnung und das venezianische Prinzip des „colorito“, bei dem koloristisch aus Farbflächen aufgebaut wird. Die Integration von Schrift im Bild entspricht ebenso einem „Don‘t“ der Kunstdoktrin.
Stefanovici begreift die Ismen der Kunstgeschichte als Sprachen, die er in gegenwärtige Malerei übersetzt. Ein Ismus ist stets das Manifest einer jeweiligen kulturellen Geisteshaltung, und Stefanovicis Malerei bringt diese Ismen synkretistisch zu einem zeitgemäßen, pluralistischen Weltbild zusammen. So finden sich in seinem Œuvre Elemente des Symbolismus oder Magischen Realismus und je nach Sozialisation können auch Erscheinungen des Kinos, der Digitalität wie Cursor oder Beamer-Menüs erkannt werden.

Das Werk umfasst Interieurs, zeitgenössische Genrebilder, Porträts und Stillleben. Die Motive entstammen dem unmittelbaren Umfeld des Künstlers und sind von inneren Erfahrungsebenen durchdrungen. Fast ungeschönt erscheint mitunter die Realität, doch immer wieder changieren darin Elemente virtuos zwischen realistischer Wiedergabe und abstrahierter Verdichtung.
Signifikant ist für Stefanovici eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Fragestellungen und Phänotypen der realistischen Malerei. Hier entsteht ein Spannungsfeld aus teils ungelenk erscheinenden Kompositionen und realistischer Motivgestaltung. Das Vexierspiel aus malerischer Finesse und vermeintlichem Dilettantismus bricht bewusst mit ästhetischen Konventionen und kulminiert in einer Art „Meta-Malerei“. Die Bilder von Christian Stefanovici fordern unseren Blick heraus in einer Welt der ästhetisierten Bilderflut von Werbung und akribisch bearbeiteten Instagram-Posts, in der wir allzu sehr daran gewöhnt sind, perfektionierte und konfektionierte Kompositionen zu erhalten. Stefanovici führt in seiner Kunst die daraus entstandene etablierte Erwartungshaltung an eine „schöne Komposition“ vor Augen und unterwandert sie. Die Bevorzugung von Erfahrungsperspektive im Gegensatz zu konstruierter Perspektive schlägt eine Brücke zur Darstellung von Räumlichkeit in byzantinischen Mosaiken, mittelalterlicher Buchmalerei bis hin zu Ikonen.

Der Stilpluralismus und das Spiel zwischen Unvollkommenheit und Perfektionismus, zwischen Motiven aus dem modernen Alltag und historischen Techniken, zwischen Abgeklärtheit und Spiritualität lassen sich zu einem Hauptthema bündeln: die Suche nach Wahrhaftigkeit in der Kunst.
Eins der jüngsten Gemälde, das großformatige Inszenierung mit T. und S. (2020) zeigt rechts auf dem Tisch eine Notiz des Wortes „Prediger“ und liefert damit die Inspiration für den Titel der Ausstellung. Das Wort verweist auf Verse aus dem Alten Testament: „Und ich richtete mein Herz darauf, dass ich lernte Weisheit und erkennte Tollheit und Torheit. Ich ward aber gewahr, dass auch dies ein Haschen nach Wind ist.“ (Prediger 1, 17)
So können die Gemälde stets nur Momentaufnahmen einer endlosen Suche sein – ein Haschen nach Wind.
(Elke Kania)

Christian Dumitru Stefanovici
* 1982 in Timișoara, Rumänien
lebt und arbeitet in Köln

2015 – 2018 Promotion der Bildenden Künste bei Prof. Dr. Dumitru Serban, West-Universität Timișoara, Fakultät für Kunst und Design, Timișoara, Rumänien
2010 – 2013 Kunstakademie Düsseldorf, Prof. Tal R
2006 – 2010 Studium der Malerei, Prof. Gia Edzgveradze, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter
2005 – 2006 Studium der Philosophie, Romanistik und Kunstgeschichte, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
www.christianstefanovici.com

noch bis 31. Januar 2021:
Kunsthaus NRW Kornelimünster
you are here – KünstlerInnen aus NRW auf Reisen
Künstlerraum von Christian D. Stefanovici

Ausstellung: 12.12.2020 – 23.1.2021

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h u.n.V.

neue Adresse PRISKA PASQUER ab September 2020:

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