10 REHBEIN GALERIE

AKTUELL

Kirsten Arndt: Ohne Titel / Untitled, 2018 Aluminium pulverbeschichtet (schwefelgelb) / aluminum, powder coated (sulfur yellow) ca. 390 x 260 x 50 cm 5 Module / 5 modules: je / each 141 x 71,5 x 0,2 cm

AKTUELL

VERSCHRÄNKUNGEN

Kirsten Arndt

Ausstellung: 10.4. – 6.6.2026

Eröffnung: 10.4.2026, 18-21h

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h

 

REHBEIN GALERIE
Große Brinkgasse 31
50672 Köln


+49-221-310 10 00
art@rehbein-galerie.de
www.rehbein-galerie.de

 

VERSCHRÄNKUNGEN

Möglichkeit bezeichnet einen Zustand des Noch-Nicht. Sie ist keine feste Größe, sondern eine dynamische Konstellation aus Bewegung; ein Gefüge von Potenzialen, Kräften und Beziehungen. Im Moment ihres Erscheinens verdichtet sie sich zur Entscheidung für eine bestimmte Form aus einer Vielzahl denkbarer Varianten. Vor diesem Hintergrund lassen sich die Arbeiten von Kirstin Arndt lesen. Ihre künstlerische Praxis richtet sich auf die Untersuchung von Material, Struktur sowie der architektonischen und räumlichen Situation, wobei die Idee einer Form den Ausgangspunkt bildet. Durch Proben und Versuche geht sie mit diesen Bedingungen um. Sie erscheinen dabei nicht als feststehende Gegebenheiten, sondern als Instanzen, Faktoren, durch die sich eine Form bilden kann. „Wie wenig Linie braucht es, damit Fläche entsteht?“, ist eine Frage zu sein, die vielen ihrer Studien und Arbeiten zugrunde liegt. Zudem berührt diese Frage den Übergang zwischen den Disziplinen, in denen Arndt ausgebildet wurde. Elemente der Malerei – Linie, Fläche und Farbe – werden aus der Ebene gelöst und in räumliche Situationen überführt. Linien erscheinen als Fäden, Drähte oder Holzstäbe; Flächen als gespannte, gefaltete oder geschnittene Materialien. Aus einfachen Strukturen entstehen so Konstellationen, in denen sich Linien überlagern, verschränken und schließlich räumliche Präsenz gewinnen, sodass aus wenigen Linien bereits Flächen und räumliche Situationen entstehen. Arndts Arbeiten bewegen sich in einer Untersuchung des Übergangs zwischen dem Zweidimensionalen und Dreidimensionalen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Potential der Materialien und ihrer Eigenschaften, denen Arndt sich in einem fortwährenden Prozess des Forschens und Probierens nähert. Arbeiten aus Aluminiumplatten können als Resultat dieser Studien gefaltet wirken wie Papier; Holzstäbe werden miteinander verflochten oder verkeilt, wie großformatige Mikadostäbe, die an der Wand installiert und befestigt werden; textile Materialien werden gespannt, verbunden und zu etwas Festem. Metalle, flexible Kunststoffe und organische Materialien wie Holz, Pappe oder Baumwolle bilden dabei unterschiedliche Materialgruppen, die Arndt je nach konzeptueller Fragestellung einsetzt oder miteinander kombiniert. Harte Materialien können eine überraschende Beweglichkeit entwickeln, während flexible Stoffe unter Spannung eine eigene Stabilität gewinnen. Das Material folgt dabei der zuvor gedachten Form. In der praktischen Erprobung untersucht Arndt, welche Materialien deren Umsetzung erlauben und welche Widerstände sie dabei entfalten. Auch die Farbigkeit der Arbeiten folgt dieser Logik von Spannung und Kontrast. Kräftige, energiegeladene Neonfarben stehen gedämpften Naturtönen gegenüber. Wie bei den Materialien entstehen daraus Gegensätze, die sich nicht auflösen, sondern bewusst nebeneinander bestehen bleiben. Farbkontraste setzen Akzente und verstärken Spannungen, die sich bereits in Material, Form und Anordnung zeigen. Viele Arbeiten von Kirstin Arndt sind modular aufgebaut und gehen häufig von geometrischen Grund-formen aus, deren Teile sowohl für sich stehen als auch in Beziehung zueinander treten. Durch ihre variable Anordnung entwickeln sich neue Formzusammenhänge, wandelbare Konstellationen, Richtungen und Vektoren im Raum. Je nach Situation erscheinen die Arbeiten horizontal oder vertikal ausgerichtet, an der Wand, auf dem Boden oder frei im Raum hängend. Jede Möglichkeit wird nach Situation, Raum und Ausstellung neu gedacht und entschieden. REHBEIN In einer ihrer Werkgruppen erscheinen aus pulverbeschichteten Aluminiumplatten heraus-geschnittene rundliche Formen gemeinsam mit den entsprechenden Aussparungen. Es handelt sich dabei nicht um ein Verhältnis von Positiv und Negativ, sondern um zwei Teile desselben Ursprungs. Beide gehen aus einer gemeinsamen Form hervor und bleiben als Teile eines Ganzen miteinander verbunden, auch wenn sie sich räumlich voneinander entfernen. Dieses Verhältnis erinnert an das physikalische Prinzip der Verschränkung. Einzelne Elemente können voneinander getrennt sein und dennoch miteinander verbunden bleiben, weil sie aus derselben Quelle hervorgegangen sind. Ähnlich wie in der Quantenverschränkung bleibt diese Verbindung auch dann bestehen, wenn sie an unterschiedlichen Orten erscheinen und sich in räumlicher Distanz zueinander befinden. Die Bedeutung der Arbeiten entsteht so nicht allein aus dem einzelnen Element, sondern aus den Verbindungen, die in ihrem gemeinsamen Ursprung angelegt sind und sich zwischen ihnen halten, sich unabhängig von Zeit und Raum weiter entfalten. Kirstin Arndts Arbeitsprozess vollzieht sich in diesen Verschränkungen, den Eigenheiten des Materials und des künstlerischen Eingriffs sowie der Zurücknahme. Beschichtungen und Farben sind zusätzliche Entscheidungen, die in die Wechselwirkung und Ambivalenz eingreifen und Potenzial und Möglichkeit zu etwas Konkretem machen. Die Künstlerin setzt Kräfte frei, probiert, ordnet Materialien, spannt, verbindet oder verschiebt sie und untersucht dabei deren Verhalten unter bestimmten Bedingungen. In diesem Wechsel von Aktivität und Beobachtung stellt sich ein Moment ein, in dem Idee, Materialität und Situation in ein vorläufiges Gleichgewicht treten. Formen treten in Beziehung, verhalten sich zueinander und bilden Konstellationen. Erst im Zusammenspiel ihrer Elemente entfaltet sich das Werk. So entstehen Gefüge von Verschiebungen und Verschränkungen. Elisa Mosch, 2026innezuhalten, das Fehlende zu spüren und das Präsente, das Geschenk, anzunehmen. Elisa Mosch, 2026

Ausstellung: 10.4. – 6.6.2026

Eröffnung: 10.4.2026, 18-21h

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h

AKTUELL

Anya Janssen: 2025, WatercolorOnPaper, 100x70 cm

AKTUELL

FLUIDITY OF PRESENCE

ANYA JANSSEN

Ausstellung: 30.1. – 4.4.2026

Eröffnung: 30.1.2026

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h

 

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Fluidity of Presence

Anya Janssen malt Menschen, Personen, ihre Auren, ihre Geschichten. Das, was jene umgibt. Sie findet in diesen Verbindungen eine Essenz, die sie auf die Leinwand bringt. Sie ist fasziniert von Menschen, die scheinbar an einer Schwelle stehen; in ihrem Denken, ihrem Leben und ihren Emotionen. Janssen arbeitet mit Musen. Der Begriff der Muse hat in der Kunstgeschichte eine lange Tradition. Häufig ist dieser mit einem idealisierten, passiven Bild der Frau verbunden, die als Inspirationsquelle für den männlichen Künstler diente. Doch trägt das Wort Muse im Ursprung den Atem sehr alter Zeiten mit sich. Es stammt aus dem Griechischen: moũsa, und bezeichnete ursprünglich kein Modell, kein stilles Gegenüber, sondern eine Göttin des Klanges, des Wissens, des Erinnerns. So arbeitet Anya Janssen mit ihren Musen im herkömmlichen Sinne des Wortes. In ihren neuesten Werken arbeitet sie eng mit der Performerin Britt Liberg zusammen. Britt Liberg ist Tänzerin, Performerin, eine Stimme und ein Körper, der in der Bewegung verrät, dass wirkliche Präsenz sichtbar gemacht werden kann. Libergs Bewegungen sind ein Flüstern und eine Botschaft. Leise, sanft, laut und deutlich zugleich. Ihr Tanz ist immer die Aussage eines Moments: spontan, individuell, die Seele entblößend. Er ist der intuitive Umgang mit Raum und Zeit, der durch die Performance einen Grund erlangt. Und gleichzeitig ist ihr Tanz eine Gegenhaltung zur überschwemmten, bildüberfluteten und unklaren Welt des allumgebenden Digitalen. Ihre Perfomances stoßen Gedanken an, zeigen und geben einen Rhythmus, einen Funken, der ein Stück vom Chaos ordnet und die Betrachtenden erleben lässt, dass das Jetzt ein Ort ist. Anya Janssen malt in ihren neuen Gemälden Portraits, die auf einer Perfomance von Britt Liberg beruhen, die sie für die Malerin und die Zusammenarbeit mit ihr entwickelt hat. Doch es geht Janssen nicht um die Nachahmung von Bewegung, sondern um das Wesen des Ausdrucks. Sie sind ein Echo des Intimen, wie ein in Stille vollzogenes Ritual, das die Inbrunst des Geborgenen, Persönlichen und Ursprünglichen, wie eine Spur der Bewegung, nachhallen lässt. Dabei fängt sie stets auch Transformationen ein und erweitert diese durch Farbe. Teilweise werden Farben eingesetzt, die im Dunkeln leuchten. Durch die Malweise wirken die Portraitierten immer wie in einem Übergang. Nicht gefangen, sondern gehalten. Anya Janssens Gemälde erkunden die Skala zwischen Anwesenheit und Abwesenheit, Präsenz und Reminiszenz, Bewegung und Stille. Sie sind Widerhall und Nachhall und fangen mehrere Zeitlichkeiten in einem Bild ein. Sie sind das, was da ist und das, was danach bleibt, wenn jemand einen Raum mit Anwesenheit gefüllt hat. Denn auch Absenz hinterlässt das Gefühl einer Präsenz. Ein sichtbares Loch in der Luft, das eben noch gefüllt war mit Leben. Die Muse denkt, sinniert, erinnert; sie gibt Bedeutung. Es ist nicht das Schöne, um das es geht und das betrachtet wird, sondern der Impuls zur Erkenntnis, die innere Erschütterung, in der sich das Bild ergibt. Die leichte elektrische Schwingung zwischen Welt und Bewusstsein. Anya Janssen hält in ihrer neuen Werkreihe die Fluidität des Lebens fest, die sich in der Unberechenbarkeit der Aquarell- in Dialog mit Ölmalerei widerspiegelt. Die subtile, unkontrollierbare Strömung in den Bildern, zeigt ein Vergehen der Figuren, schwebend zwischen Traum und Wirklichkeit. Aus dieser Stimmung heraus, entsteht ein tiefes Gefühl von Sehnsucht. Ein Wort, das es nur im Deutschen gibt. Es ist das Sehnen nach etwas, dass wir uns wünschen, etwas, das einmal da war und jetzt nicht mehr, oder sogar etwas, das nie da war oder unmöglich ist. Sehnen verbindet das Gefühl von Begehren und Wollen und Lieben, mit dem der Ausweglosigkeit. Hoffen und Aufgeben reichen sich die Hand und verbinden sich in einem Drang. Denn Sehnsucht ist der Ort dazwischen. Sie wohnt inmitten der Amibivalenz. Und Sehnsucht ist Intensität. Weil sie uns unsere Machtlosigkeit, unsere Vergänglichkeit und unsere Sterblichkeit auf bittersüße Weise erklärt. Sie erklärt uns eine Nuance mehr, als allein Liebe oder Leidenschaft es könnten, auch wenn die drei sich sehr nahestehen. Sie bringt uns an den Rand von dem, was wir selbst sein können. Und in einer Kultur, die auf Kontrolle fixiert ist, lädt Sehnsucht uns ein, innezuhalten, das Fehlende zu spüren und das Präsente, das Geschenk, anzunehmen. Elisa Mosch, 2026


ARCHIV

Mykene(Seerosenblatt/Wasseroberfläche). 2025

Öl auf Leinwand

120 x 100 cm

Minthe (Seerose), 2025

Öl auf Leinwand / Oil on canvas

110 x 80 cm

 

ARCHIV

Egeria Aigina Tiasa

Julia Jansen

Ausstellung: 5.12.2025 – 25.1.2026

Eröffnung: 5.12.2025

Finissage zum K1 Galerien-Rundgang in Köln am 25. Januar 11 – 16h

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h

 

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Julia Jansen – Zwischen Oberfläche und Tiefe

Julia Jansens Malerei bewegt sich zwischen den Welten des Lichts und der Tiefe. Sie ist eine Mittlerin, die zwischen der Welt der Luft und der Welt des Wassers fungiert, und zeigt, wie Luft, Leben und Lilien durch die Wasseroberfläche miteinander agieren und kommunizieren, sich berühren, brechen und verändern.
Jansen greift im Titel der Ausstellung Egeria Aigina Tiasa die Namen von drei Wassernymphen auf, die aus der griechischen Mythologie stammen. Ihre Werke wandeln nicht nur semantisch zwischen Geschichte, Mythologie und Wasser, sondern auch malerisch.

In ihren Seerosenstücken zeigt Jansen das Gleichgewicht der Pflanzen, die sich an dieser schimmernden Schwelle zwischen Grund und Oberfläche halten. Ihre Unterwassermalereien enthüllen das Verborgene: das bewegliche Netzwerk aus Ranken, Strömung und Grund. Es ist die Darstellung einer Tiefe, die mit dem Unterbewusstsein korrespondiert.

Zwischen Himmel und Grund bringt Jansen Bilder hervor, in denen Pflanzen aus dem Dunkel des Wassers zum Licht aufsteigen. Die Wurzeln bleiben im Dunkel der Erde verankert, während die Blüten sich dem Licht der sichtbaren Welt öffnen. Dieses bricht sich an der Wasseroberfläche und darunter, wird aufgefangen, verzerrt von der Spannung, die wie eine feine, unsichtbare Haut zwischen den Elementen liegt. Weichgezeichnet werden die Landschaften unter Wasser durch dessen Trübe.

Passend dazu, tendiert die Farbgebung teils zum Düsteren. Dennoch hält sie stets Licht in sich, wirkt gar beruhigend, fast still. Als würde man hören, wie die Geräusche der Welt leise werden, schließlich verstummen. Es kehrt eine angenehme Anonymität ein, in der man taucht und dabei fremde, organische Landschaften betrachtet. Die Schwere des Wassers und die Leichtigkeit des Schwimmenden, in die man gedanklich hineintauchen kann, generieren ein Gefühl von Frieden. Es ist nicht nur das Motiv, das haften bleibt, sondern eine Stimmung, eine atmosphärische Erinnerung.

Kleine Gemälde von einzelnen Wasserläufern durchqueren diese fragile Grenze. Sie schnellen über das Wasser, ohne einzutauchen, gleiten lautlos, nie schwimmend, getragen allein von der Spannung zwischen Oben und Unten.
Wie in Jansens früheren Arbeiten ist auch in den neuen Unterwasserstücken das organische Moment zentral, in denen Körper, Höhlen, Früchte, Flüsse oder Stoffe festgehalten wurden, in einem malerischen Augenblick. Ihr Pinselduktus ist weich, vibrierend, meist ohne feste Kontur – die Form ist da, aber nie hart, immer in Bewegung.

Und vielleicht sind es Stimmen aus dem Mythos, die hier mitschwingen. Wassernymphen wie Egeria, die als Ratgeberin durch das leise Gurgeln des Grundes spricht, Aigina, Tochter des Flussgottes, verwurzelt in der Tiefe, und Tiasa, deren Quelle ein heiliger Ort der Verbindung war. Auch sie sind Teil dieser Wasserwelt, als Echo einer uralten Beziehung zwischen Natur und Bewusstsein, zwischen Tiefe und Oberfläche, zwischen Mensch und Malerei.

Elisa Mosch, 2025