16 PRISKA PASQUER

AKTUELL

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Haschen nach Wind

Christian D. Stefanovici

Ausstellung: 12.12.2020 – 23.1.2021

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h u.n.V.

CORONABEDINGT BITTEN WIR UM PERSÖNLICHE ANMELDUNG PER TELEFON, EMAIL, WHATSAPP ODER DURCH SOCIAL MEDIA (AUCH SEHR KURZFRISTIG). priska@priskapasquer.de, +49 170 4230636

neue Adresse PRISKA PASQUER ab September 2020:
PRISKA PASQUER
c/o Neuland
Konrad-Adenauer-Ufer 83
50668 Köln

+49-221-952 63 13
info@priskapasquer.de
www.priskapasquer.art

Haschen nach Wind

Die Malerei von Christian Stefanovici (* 1982 in Timișoara/Rumänien, lebt und arbeitet in Köln) verweist in vielfältiger Manier auf Themen und Praktiken der Kunstgeschichte und ist doch eine Kunst ganz aus dem Hier und Jetzt unserer Lebenswirklichkeit.
In traditioneller Manier bereitet Stefanovici seine Malutensilien vor: er rührt reine Pigmente in Knochenleim an, spannt Leinwand auf einen Keilrahmen und trägt oftmals eine weiße Gesso-Grundierung auf. Diese Grundierung begünstigt einen opaken Farbauftrag, den einige der ausgestellten Gemälde aufweisen – die Farbe bekommt einen anderen „Klang“ auf dem Trägermaterial.
Stefanovici bewegt sich sehr bewusst in malerischen Überlieferungen, und doch (oder gerade deswegen) bricht er gerne mit tradierten Dogmen. Durch den Einsatz von Lineaturen aus Pastellkreide auf Kompositionen aus Farbflächen verbindet er zwei wegweisende künstlerische Haltungen der Renaissance: das Florentiner „disegno“ mit dem Primat der linearen Zeichnung und das venezianische Prinzip des „colorito“, bei dem koloristisch aus Farbflächen aufgebaut wird. Die Integration von Schrift im Bild entspricht ebenso einem „Don‘t“ der Kunstdoktrin.
Stefanovici begreift die Ismen der Kunstgeschichte als Sprachen, die er in gegenwärtige Malerei übersetzt. Ein Ismus ist stets das Manifest einer jeweiligen kulturellen Geisteshaltung, und Stefanovicis Malerei bringt diese Ismen synkretistisch zu einem zeitgemäßen, pluralistischen Weltbild zusammen. So finden sich in seinem Œuvre Elemente des Symbolismus oder Magischen Realismus und je nach Sozialisation können auch Erscheinungen des Kinos, der Digitalität wie Cursor oder Beamer-Menüs erkannt werden.

Das Werk umfasst Interieurs, zeitgenössische Genrebilder, Porträts und Stillleben. Die Motive entstammen dem unmittelbaren Umfeld des Künstlers und sind von inneren Erfahrungsebenen durchdrungen. Fast ungeschönt erscheint mitunter die Realität, doch immer wieder changieren darin Elemente virtuos zwischen realistischer Wiedergabe und abstrahierter Verdichtung.
Signifikant ist für Stefanovici eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Fragestellungen und Phänotypen der realistischen Malerei. Hier entsteht ein Spannungsfeld aus teils ungelenk erscheinenden Kompositionen und realistischer Motivgestaltung. Das Vexierspiel aus malerischer Finesse und vermeintlichem Dilettantismus bricht bewusst mit ästhetischen Konventionen und kulminiert in einer Art „Meta-Malerei“. Die Bilder von Christian Stefanovici fordern unseren Blick heraus in einer Welt der ästhetisierten Bilderflut von Werbung und akribisch bearbeiteten Instagram-Posts, in der wir allzu sehr daran gewöhnt sind, perfektionierte und konfektionierte Kompositionen zu erhalten. Stefanovici führt in seiner Kunst die daraus entstandene etablierte Erwartungshaltung an eine „schöne Komposition“ vor Augen und unterwandert sie. Die Bevorzugung von Erfahrungsperspektive im Gegensatz zu konstruierter Perspektive schlägt eine Brücke zur Darstellung von Räumlichkeit in byzantinischen Mosaiken, mittelalterlicher Buchmalerei bis hin zu Ikonen.

Der Stilpluralismus und das Spiel zwischen Unvollkommenheit und Perfektionismus, zwischen Motiven aus dem modernen Alltag und historischen Techniken, zwischen Abgeklärtheit und Spiritualität lassen sich zu einem Hauptthema bündeln: die Suche nach Wahrhaftigkeit in der Kunst.
Eins der jüngsten Gemälde, das großformatige Inszenierung mit T. und S. (2020) zeigt rechts auf dem Tisch eine Notiz des Wortes „Prediger“ und liefert damit die Inspiration für den Titel der Ausstellung. Das Wort verweist auf Verse aus dem Alten Testament: „Und ich richtete mein Herz darauf, dass ich lernte Weisheit und erkennte Tollheit und Torheit. Ich ward aber gewahr, dass auch dies ein Haschen nach Wind ist.“ (Prediger 1, 17)
So können die Gemälde stets nur Momentaufnahmen einer endlosen Suche sein – ein Haschen nach Wind.
(Elke Kania)

Christian Dumitru Stefanovici
* 1982 in Timișoara, Rumänien
lebt und arbeitet in Köln

2015 – 2018 Promotion der Bildenden Künste bei Prof. Dr. Dumitru Serban, West-Universität Timișoara, Fakultät für Kunst und Design, Timișoara, Rumänien
2010 – 2013 Kunstakademie Düsseldorf, Prof. Tal R
2006 – 2010 Studium der Malerei, Prof. Gia Edzgveradze, Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Alfter
2005 – 2006 Studium der Philosophie, Romanistik und Kunstgeschichte, Eberhard-Karls-Universität Tübingen
www.christianstefanovici.com

noch bis 31. Januar 2021:
Kunsthaus NRW Kornelimünster
you are here – KünstlerInnen aus NRW auf Reisen
Künstlerraum von Christian D. Stefanovici

Ausstellung: 12.12.2020 – 23.12.2021

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h u.n.V.

neue Adresse PRISKA PASQUER ab September 2020:

 

PRISKA PASQUER
c/o Neuland
Konrad-Adenauer-Ufer 83
50668 Köln

 

ARCHIV

Radenko Milak: Anthropocene, 2020, Microplastics in polluted water, view through electron microscope, watercolor, 252×185 cm, courtesy PRISKA PASQUER, Cologne

ARCHIV

2020 ALL OVER THE WORLD
Watercolors

Radenko Milak

Eröffnung: 
Donnerstag, 3.9., 11-18h und Freitag 4.9., 11-22h

“DC Open Doors” 
Freitag, 4. Sep 2020, 11 – 22 Uhr
Samstag, 5. Sep 2020, 11 – 20 Uhr
Sonntag, 6. Sep 2020, 11 – 18 Uhr

Ausstellung: 3.9. – 7.11.2020
Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h u.n.V.

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2020 ALL OVER THE WORLD
Watercolors

RADENKO MILAK

*1980 in Travnik, Bosnien und Herzegowina, lebt in Banja Luka, Bosnien und Herzegowina

Wie wirkt sich die Bilderflut des digitalen Zeitalters auf unser Bewusstsein aus? Wie beeinflussen die massenhaft verbreiteten Bilder unsere Wahrnehmung der Welt? Und wie prägen sie unser kollektives Gedächtnis? Diese Fragen stehen im Zentrum des malerischen Werks von RADENKO MILAK. PRISKA PASQUER zeigt eine Auswahl der neuesten Arbeiten des bosnischen Künstlers.

Hochaktuell in seinem thematischen Ansatz, arbeitet RADENKO MILAK im traditionellen Medium der Malerei. Er ist ein Meister des Aquarells und bewältigt in dieser Technik mühelos auch monumentale Formate. Seine Motive findet MILAK in allen heute zur Verfügung stehenden Bildquellen: In Zeitungen, Archiven und Dokumentarfilmen ebenso wie in den sozialen Medien. In der malerischen Umsetzung rekurriert er häufig auf kunsthistorische Ansätze und Techniken wie abstrakte Malerei oder Collage.

In seiner jüngsten Werkgruppe „Sideratio“ verarbeitet RADENKO MILAK die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Aus der unmittelbaren, konstanten Flut digitalisierter Information, aus unzähligen Reportagen und Pressebildern hat er Motive herausgefiltert, die den weltweiten Schockzustand nach Ausbruch der globalen Epidemie exemplarisch erfassen. Mit schwarzem Pigment hat er diese Momentaufnahmen in kleinformatige Aquarelle übertragen.

Die Bilder zeigen ein gesellschaftliches Leben, das bis in seine intimsten Aspekte auf den Kopf gestellt ist: verwaiste Stadtlandschaften, menschenleere Kirchen und heilige Stätten, Krankenhäuser und Leichenhallen, geschlossene Kulturstätten, Flughäfen und Bahnhöfe, von denen keine Abreise mehr möglich ist. In seinen Aquarellen dokumentiert und organisiert RADENKO MILAK die globale Katastrophe ästhetisch. Tat er dies in seinen früheren Werkgruppen aus einer historischen Distanz, entsteht seine neue Serie „Sideratio“ als unmittelbare Reaktion auf die aktuelle Situation.

Umfassender angelegt ist MILAKs fortlaufende Reihe „Anthropocene“. Das neue Zeitalter, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist, hat viele Facetten: Überbevölkerung und Umweltzerstörung gehören ebenso dazu wie neue wissenschaftliche Entdeckungen. Beide Aspekte bezieht MILAK in diese Serie mit ein. Neben Bildern über die Vermüllung der Weltmeere durch Mikroplastik enthält sie erstaunliche, nur durch Nanomikroskope sichtbare sowie vom Hubble-Weltraumteleskop gelieferte Motive aus der unendlichen Weite des Universums.

In seinen Bildern versucht RADENKO MILAK, das eigentlich Unvorstellbare zu erfassen und zu dokumentieren und das eigene Erschrecken und Erstaunen zu verarbeiten. Sein wichtigstes Anliegen ist jedoch die Reflexion und Analyse der Rolle der zeitgenössischen Bildproduktion bei der Herausbildung unseres historischen und kulturellen Gedächtnisses.

RADENKO MILAK studierte an der Kunstakademie in Banja Luka und an der Kunsthochschule in Belgrad, Serbien. 2014 präsentierte die Kunsthalle Darmstadt seine erste große Einzelausstellung in Deutschland. 2017 entwickelte MILAK für seine Einzelausstellung im Pavillon von Bosnien und Herzegowina auf der 57. Biennale Venedig das multidisziplinäre Projekt „University of Disaster“. Im Zentrum standen vier großformatige, komplex komponierte Aquarelle zu verschiedenen, von Menschen herbeigeführten Desastern. Sie befinden sich heute in der Sammlung des Museum Folkwang, Essen. 2019 waren MILAKs Werke in der großen Schau „HYPER! A JOURNEY INTO ART AND MUSIC“ in den Deichtorhallen Hamburg zu sehen. Im Herbst 2020 zeigt das Marta Herford Werke von RADENKO MILAK in der Ausstellung „Trügerische Bilder – Ein Spiel mit Malerei und Fotografie“ (30.10.2020 – 28.02.2021).

Ausstellung: 3.9. – 7.11.2020

“DC Open Doors” 
Freitag, 4. Sep 2020, 11 – 22 Uhr
Samstag, 5. Sep 2020, 11 – 20 Uhr
Sonntag, 6. Sep 2020, 11 – 18 Uhr

Di–Fr von 11–18h / Sa von 11–16h u.n.V.

CORONABEDINGT BITTEN WIR UM PERSÖNLICHE ANMELDUNG PER TELEFON, EMAIL, WHATSAPP ODER DURCH SOCIAL MEDIA (AUCH SEHR KURZFRISTIG). priska@priskapasquer.de, +49 170 4230636

neue Adresse PRISKA PASQUER ab September 2020:
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Konrad-Adenauer-Ufer 83
50668 Köln